Advanced Photo System: Nachfolger für das Kleinbildformat

Advanced Photo System: Nachfolger für das Kleinbildformat
Advanced Photo System: Nachfolger für das Kleinbildformat
 
Die von Kleinbildfotografen üblicherweise verwendeten Filme haben mehrere Nachteile:
 
∙ Das Einlegen des Films in die Kamera ist relativ kompliziert.
 
∙ Ein neuer Film kann immer erst dann eingelegt werden, wenn der alte fertig belichtet ist. So ist es nicht möglich, mit einer Kamera gleichzeitig mehrere unterschiedliche Filme, z.B. verschiedener Belichtungsstärke, zu verarbeiten.
 
∙ Die Archivierung der entwickelten Filme ist problematisch. Es besteht z. B. die Gefahr, dass die empfindlichen Filmstreifen beschädigt werden.
 
Um das Fotografieren besonders für den Amateur komfortabler zu gestalten, wurde das Advanced Photo System (APS) entwickelt. Dieses System umfasst drei wesentliche Elemente:
 
∙ Ein spezielles Filmmedium, die APS-Filmkassette
 
∙ Spezielle APS-Kameras
 
∙ Speziell ausgestattete Filmentwicklungslabors
 
 APS-Film
 
APS-Kameras entsprechen in ihrem Aussehen und Aufbau weitgehend herkömmlichen Kleinbildkameras und sind als Sucher- und Spiegelreflexkameras erhältlich. Die neu entwickelte APS-Filmkassette, die einen Rollfilm enthält, kann jedoch wesentlich leichter als ein herkömmlicher Kleinbildfilm eingelegt werden: Sie wird wie eine Batterie in die Kamera eingeschoben. Ein Einfädeln und Einklemmen des Filmendes ist nicht erforderlich.
 
Der Film setzt sich aus einem lichtempfindlichen Mittelstreifen und seitlichen Randstreifen zusammen. Der Mittelstreifen ist für die eigentlichen Bilder reserviert. Er ist mit 16,7 mm schmaler als ein herkömmlicher Kleinbildfilm (35 mm). Die Randstreifen sind teilweise magnetisierbar und können wie Videobänder oder Tonbänder Informationen speichern. APS-Kameras haben einen magnetischen Schreibkopf und speichern bei einer Aufnahme auf dem Magnetfeld neben dem Bild technische Daten zur Aufnahme (z.B. Belichtungsdaten, Blitzeinsatz) sowie Archivierungsdaten (Datum, Zeit). Manche Kameras ermöglichen auch das Abspeichern eines zum Bild gehörigen Stichwortes (z.B. Hochzeit, Urlaub). Neben den beschreibbaren Magnetfeldern enthält der Seitenstreifen auch optisch gespeicherte Daten (Marken). Die Kamerasteuerung kann daraus generelle Angaben zum Film (z.B. Filmempfindlichkeit, Bildanzahl) und Informationen zum jeweiligen Bild (z.B. Bildnummer) ablesen.
 
Ein Vorteil des APS besteht darin, dass auch eine teilbelichtete Filmkassette jederzeit aus der Kamera entnommen und durch eine andere Kassette ersetzt werden kann. Wenn die ursprüngliche Kassette wieder eingesetzt wird, erkennt die Kamerasteuerung aus den gespeicherten Informationen, wie weit die Kassette belichtet ist und spult den Film entsprechend vor. So können verschiedene Kassetten mit einer Kamera verarbeitet werden.
 
Bei der Aufnahme kann der Fotograf zwischen drei verschiedenen Bildformaten wählen: Das eigentliche Grundformat hat die gleichen Proportionen wie die neuartigen Fernsehgroßbildschirme und heißt daher HDTV (englisch high-definition television). Durch Abschneiden der seitlichen Ränder entsteht aus dem HDTV-Format das Classic-Format mit den Proportionen des herkömmlichen Kleinbildfilms. Durch Abschneiden des oberen und unteren Bildrandes entsteht das Panoramaformat, das sich z.B. für Gruppenaufnahmen gut eignet.
 
 Entwicklung und Weiterverarbeitung der APS-Filmkassette
 
Fotolabore, die für APS eingerichtet sind, können die auf dem Film archivierten technischen Aufnahmedaten lesen und den Entwicklungsprozess entsprechend optimieren. Die Besonderheit des APS besteht darin, dass auch der entwickelte Film in der Kassette verbleibt. Damit ist der Film vor Beschädigungen geschützt. Um den Inhalt der entwickelten Kassette zu zeigen, gehört zu jeder entwickelten APS-Kassette ein Indexprint, der alle Bilder auf einem Blatt darstellt.
 
Die APS-Fotografie basiert auf dem herkömmlichen chemischen Verfahren. Um Bilder zu digitalisieren und z.B. an Computern darzustellen und weiterzuverarbeiten, gibt es spezielle Scanner.
 
 
Das APS stellt nach mehreren Versuchen (Pocketkamera, Diskkamera usw.) einen neuen Anlauf dar, den 1915 im Bereich der Fotografie eingeführten Kleinbildfilm zu verdrängen. Dabei muss sich das APS nicht nur mit diesem bewährten Filmmedium messen, sondern steht auch im Wettbewerb mit der neuartigen digitalen Fotografie, die keine Filme mehr benötigt.
 
Im Vergleich zur herkömmlichen Fotografie sind vor allem das verbesserte Archivierungsverfahren des APS-Films, seine Austauschbarkeit und seine leichtere Handhabung die entscheidenden Vorteile.

Universal-Lexikon. 2012.

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